Erster Zuhörtisch bei Montags-Spaziergang durch FDP-Mitglied LK Fürth

Roßtal: Am 10.01.2021 eröffnete ein Mitglied der FDP Fürth den ersten Zuhörtisch auf einem Montags-Spaziergang. Nach anfänglichen Zweifeln kam es zu zahlreichen Gesprächen zwischen den Spaziergängern und final sogar mit Polizeikräften.

Roßtal: Am 10.01.2021 entschloss sich ein Mitglied der FDP-Fürth einen klappbaren Bistrotisch als Gesprächsangebot bei einem Montagsspaziergang aufzustellen. Hierzu ließ er sich die Aufstellung des Zuhörtisches bei der Marktgemeide Roßtal offiziell genehmigen. Ziel war es, den Menschen ein offenes Ohr zu bieten und herauszufinden, warum es sogar in in Roßtal, einer 10.000 Einwohner Marktgemeinde, zu Montags-Spaziergängen kommt.

Vielfältige Beweggründe der Spaziergänger

Durch die Anmeldung des Bistro-Tisches bei der Marktgemeinde kam es zu einer Weitermeldung an die Polizeiinspektion in Stein. Daher fanden sich am Abend verhältnismäßig viele Polizeikräfte am Marktplatz in Roßtal ein. Gegen 18 Uhr trafen sich auf dem sonst menschenleeren Marktplatz verstreut ca. 25 Bürgerinnern und Bürger aus dem Marktgebiet Roßtal. Laut häufiger Aussage geschah dies zufällig. Unter anfänglich starker Skepsis kam es im Laufe des Abends zu zahlreichen und teils sehr offenen Gesprächen. Einige Gesprächsteilnehmer bekannten sich als parteilos, vereinzelt als Mitglied der Partei DieBasis oder der AfD. Aber auch viele enttäuschte ehemalige Wähler unter anderem von SPD, CSU, FDP oder B90/GRÜNE tauschten sich am Bistrotisch friedlich und gemeinsam aus.

Sehnsucht nach Transparenz und Eigenverantwortung

Oft wurde die Bevormundung durch paternalistische oder nicht nachvollziehbare und sich permanent ändernde Vorgaben als Grund für die Teilnahme am Spaziergang genannt. Viele Spaziergänger sorgen sich um eine drohende Impfpflicht oder um die Unversehrtheit eigener Kinder durch stoische Pandemieverwaltung. Ein großer Kritikpunkt war die politische Handhabung und Nutzung von statistischen Kennzahlen für harte politische Maßnahmen. Erhebliche Sorge bereitet vielen Spaziergängern die fehlende Perspektive und eine fehlende Zielsetzung der Politik. Einige Stimmen mahnten mit Blick auf deutsche Geschichte vor sich wiederholenden Mustern durch autoritäre und bevormundende Züge.

Sorge um Demokratie und Freiheit als Beweggrund

Überrascht stellte das FDP-Mitglied am Zuhörtisch fest, dass vielen Spaziergängern eben nicht der Eigennutz wichtig ist. Sondern vielmar die Sorge umtreibt über gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Sowie der mögliche Zerfall von Demoktratie und Rechtsstaatlichkeit. In einem Gespräch wurde dem Zuhörer erläutert, dass Spaziergänger weder rechtsradikal noch egoistisch sind. Untermautert wurde dies mit Beispielen, wie egoistisch sich andererseits manche Menschen verhalten, die sich für ihre Freiheit haben impfen lassen und nun von erneuten Einschränkungen teils wütend enttäuscht sind. Und sich daher Andersdenkende als Ventil suchen. Andererseits seien viele impfkritische Menschen weiterhin auf Abstand und zeigen Respekt vor der Sorge durch Ansteckung Anderer. Vielen Spaziergängern sind gegenseitige Rücksicht und zwischenmenschlicher Respekt wichtig. Viele Gesprächsteilnehmer distanzierten sich am Zuhörtisch explizit von rechtsradikalen Strömungen und baten zugleich weiter um grenzübergreifenden Dialog sowie mehr Neutralität und Hinterfragung bei medialer Berichterstattung. Dies wurde in Gesprächen mit oft nachvollziehbaren Beispielen untermauert.

Polizei nimmt an Dialog teil und bittet künftig um Anmeldung von Versammlung

Gegen Ende des Spazierganges trat ein Polizist mit in den Dialog ein. Er lobte die Friedlichkeit der Veranstaltung und bat die Umstehenden um künftige Anmeldung einer Versammlung. Neben den Vorteilen für alle Beteiligten durch eine offizielle Anmeldung stellte er auch klare Konsequenzen für die Nichtanmeldung in Aussicht. Hierzu erläuterte er im Dialog am Zuhörtisch rechtliche Hintergründe. Es wurde eine Diskussion zugelassen, in der klar wurde, dass Dialog und Deeskalation das Ziel der Polizei im Landkreis Fürth ist. Zugleich wurde klar gestellt, dass lokale Entwicklungen in messenger-Gruppen, wie telegram genau beobachtet werden. Zugleich sahen einige Gesprächsteilnehmer aufgrund des Vertrauensverlustes in staatliche Maßnahmen sowie medialer Drohbilder eine Anmeldung einer Versammlung eher skeptisch. Daher bat der Polizist zum Schluss erneut ruhig und sachlich um die offizielle Anmeldung einer Versammlung (link). Dazu wies er auf das Versammlungsrecht als hohes Gut im Grundrecht hin.

Bild mit Auszug aus Genehmigung zur Sondernutzung / Aufstellung Zuhörtisch Marktplatz Roßtal. Danke hierzu an den Markt Roßtal

Kommenden Montag gibt es wieder einen Zuhörtisch in Roßtal

Einige Spaziergänger blickten zu Beginn äußerst spektisch auf den einzelnen Menschen an einem Zuhörtisch. Im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass der Zuhörtisch auch kommende Woche akzeptiert werden wird. Einige Spaziergänger stimmte es positiv, sich weiter fair und miteinander auszutauschen.

Fazit

Das FDP-Mitglied war überrascht von der Friedfertigkeit, Vielfältigkeit und der Offenheit der Spaziergänger. Viele angesprochene Aspekte der Spaziergänger finden sich im „Handbuch des Liberalismus“ von Norbert Eimer wieder. Es geht den Gesprächsteilnehmern explizit nicht um Gewalt oder Aufruhr. Sondern vielfach um eine Mahnwache zu Missständen der letzten Monate nebst Vertrauensverlust. Sowie um ein Gesprächsangebot mit Verantwortlichen und die Bitte um Wechsel der Perspektiven. Der Autor dankt dem Markt Roßtal für die unkomplizierte Genehmigung vom Zuhörtisch, der PI Stein sowie den Gesprächspartnern für einen interessanten, gemeinsamen Austausch.

Datenschutz
Zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte sowie in Respekt des Datenschutzes wurden während des Abends weder Bilder noch Notizen angefertigt. Daher steht zu diesem Abend kein Bildmaterial zur Verfügung.

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